Umgang mit Gerinnungshemmern („Blutverdünnern“)

Die Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten betrifft viele Patienten. Häufig werden Menschen mit Erkrankungen am Herz-Kreislauf-System damit behandelt z.B. bei bestimmten Herzrhythmusstörungen, Thrombosen, Lungenembolien, Gerinnungsstörungen oder nach dem Einsetzen eines Herzklappenersatz. Die gerinnungshemmenden Medikamente werden umgangssprachlich auch als "Blutverdünner" bezeichnet, was allerdings nicht ganz korrekt ist, da das Blut nicht verdünnt wird, sondern Gerinnungsfaktoren im Blut herabgesetzt werden. Dadurch wird das Risiko von Thrombose- oder Schlaganfallereignissen vermindert.

Zum Einsatz kommen zum einen Marcumar ® (Phenprocoumon) und zum anderen die Gruppe der neuen Gerinnungshemmer wie Xarelto® (Rivaroxaban), Eliquis® (Apixaban), Pradaxa® (Dabigatran) und Lixiana® (Edoxaban). Beide Arzneimittelgruppen haben eine unterschiedliche Wirkweise und erfordern deshalb ein unterschiedliches Therapieregime.

Falls Sie am Gerinnungs-Selbstmanagement bei einer Therapie mit Marcumar interessiert sind, finden Sie hier weitere Informationen zu Patientenschulungen.

Wie wir Sie unterstützen

Im Rahmen Ihres stationären Aufenthaltes unterstützen wir Sie, den sicheren Umgang mit dem gerinnungshemmenden Medikament für zu Hause vorzubereiten. Dafür bieten wir gezielte Schulung zum Umgang mit den obengenannten Arzneimitteln an.

Was Sie dazu beitragen können

Bei bestehenden Fragen wenden Sie sich gerne an uns. Für Ihre gerinnungshemmende Therapie geben wir Ihnen folgende Hinweise:

  • Tragen Sie Ihren Patientenausweis bei sich und informieren nahestehende Personen über Ihre gerinnungshemmende Therapie.
  • Beachten Sie Ihre Einnahmezeitpunkte und schaffen sich ggf. Erinnerungshilfen.
  • Umgang mit einer vergessenen Einnahme*:

Eliquis® (Apixaban)
(Packungsbeilage 06/2018)

sowie

Lixiana® (Edoxaban)
(Packungsbeilage 07/2017)

Die Einnahme sofort nachholen, keine doppelte Einnahme. Am Folgetag die reguläre Einnahme fortsetzen.
Pradaxa® (Dabigatran)
(Packungsbeilage 01/2018)
Die Einnahme kann bis zu 6 Stunden vor dem nächsten regulären Zeitpunkt nachgeholt werden.
Xarelto® (Rivaroxaban)
(Packungsbeilage 11/2017)

Bei einer Einnahme am Tag, diese sofort nachholen, keine doppelte Einnahme.

Bei zwei Einnahmezeitpunkten und vergessener Einnahme, diese sofort nachholen. Gleichzeitige Einnahme von zweimal 15 mg Tabletten möglich, um die Tagesdosis von 30 mg sicherzustellen. Am Folgetag die reguläre Einnahme fortsetzen.

Marcumar ® (Phenprocoumon)
(Packungsbeilage 02/2017)
Die vergessene Einnahme an selben Tag direkt nachholen, keine doppelte Einnahme. Am Folgetag die reguläre Einnahme fortsetzen. Kontrolle des INR-Wertes.

* Diese Informationen wurden den Packungsbeilagen entnommen und unterliegen dem derzeitigen Wissensstand. Empfehlungen zum Umgang mit einer vergessenen Einnahme können sich verändern, bitte halten Sie bei Unsicherheiten unbedingt Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt.

  • Falls ein operativer Eingriff oder eine Untersuchung bei Ihnen geplant ist, besprechen Sie vorab mit Ihrem behandelnden Arzt, ob das Arzneimittel vorher pausiert werden muss. Die Länge der Pause hängt vom Eingriff und dem Medikament ab.
  • Kleinere blutende Verletzungen länger komprimieren („gedrückt halten“), da es unter dem gerinnungshemmenden Arzneimittel länger blutet.
  • Beobachten Sie häufig auftretende Hämatome oder Nasenbluten, schwarzen Stuhlgang, blutigen Urin genau und halten Sie Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt.
  • Bei plötzlich auftretenden Kopfschmerzen sowie Sprach- oder Sehstörungen kontaktieren Sie umgehend einen Notarzt (112).
  • Fragen Sie bei Neuverordnungen von Arzneimitteln nach, ob diese verträglich sind mit der bestehenden Medikation. Insbesondere beim Einsatz von Schmerzmitteln oder Antibiotika sollte geklärt sein, ob diese mit der gerinnungshemmenden Therapie kompatibel sind. Ihr behandelnder Arzt oder Apotheker kann Ihnen diese Fragen beantworten.