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20.04.2022

Pharmakologische Behandlung bei Schizophrenie

Prof. Cordes, Dr. Schmidt-Kraeplin und Sandra Feyerabend veröffentlichten die Ergebnisse ihrer mehr als 12-jährigen Forschungsarbeit im renommierten Wissenschaftsmagazin "The Lancet Psychiatry"

Düsseldorf, 20. April 2022: Forschungsteam aus dem Florence-Nightingale-Krankenhaus hat die Ergebnisse seiner mehr als 12-jährigen Forschungsarbeit im renommierten Wissenschaftsmagazin "The Lancet Psychiatry" veröffentlicht

Viele Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen, insbesondere bei schizophrenen Störungen, nehmen gleichzeitig und andauernd mehrere Medikamente ein. Da 30 bis 40 Prozent der Erkrankten trotz mehrwöchiger Behandlung mit einem medikamentösen Wirkstoff immer noch Symptome zeigen, wird die Therapie üblicherweise um ein weiteres Antipsychotikum ergänzt. Doch neben der erhofften Besserung der Symptome sind bei Mehrfachkombinationen von Medikamenten verstärkt Nebenwirkungen zu beobachten. Sowohl die Wirksamkeit als auch die Sicherheit sind bei Kombinationstherapien wissenschaftlich noch nicht geklärt.

Dieser Problematik haben sich Prof. Dr. med. Joachim Cordes, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Florence-Nightingale-Krankenhaus, Dr. med. Christian Schmidt-Kraepelin, leitender Oberarzt, und Sandra Feyerabend, Diplom-Psychologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin, bereits vor 14 Jahren angenommen. Mehrfach bewarben sie sich um eine Forschungsförderung beim Bundesministerium für Bildung und Forschung. 2010 konnten sie ihre Forschungsarbeit mit dem positiven Förderbescheid über 2,4 Millionen Euro beginnen. Ihr erklärtes Ziel: Mehrfachverordnungen reduzieren.

„Schnell zeigten sich die speziellen Schwierigkeiten unseres Projekts. Denn schizophrene Patientinnen und Patienten zu finden, die einerseits krank genug sind, um repräsentativ zu sein für die Studie, andererseits gesund genug, um teilzunehmen, gestaltete sich als Herausforderung. Die Idee, fünf bis sieben Erkrankte pro Monat zu untersuchen, stellte sich als utopisch heraus“, schildert Dr. med. Christian Schmidt-Kraepelin.

Deshalb sprach das Forschungsteam, damals am LVR-Klinikum Düsseldorf beschäftigt, deutschlandweit weitere psychiatrische Kliniken und Zentren an - insgesamt 18 wurden in das Projekt integriert. „Auf diese Weise konnten wir bis 2019 mehr als 328 Studienteilnehmerinnen und –teilnehmer rekrutieren und in die Untersuchung aufnehmen. Mit dieser hohen Zahl an Probanden hat das Forschungsergebnis eine hohe Aussagekraft erlangt. Dafür mussten wir zwei Mal die Projektlaufzeit verlängern“, erläutert Prof. Dr. med. Joachim Cordes.

Durch die Studie haben die Wissenschaftler:innen herausgefunden, dass zwei Medikamente tatsächlich wirksamer sind als ein Medikament. Für eine bessere Verträglichkeit und sicherere Gabe kombinierten sie zwei Wirkstoffe zu einem Kombinationspräparat, das den Proband:innen gegeben und dessen Wirkungen einschließlich Nebenwirkungen beobachtet und wissenschaftlich ausgewertet wurde.

„Am verträglichsten ist die Gabe lediglich eines Wirkstoffs. Allerdings gibt es bestimmte klinische Situationen, in denen die Hinzunahme eines zweiten antipsychotischen Präparates sinnvoll sein kann, um das Ansprechen auf die Therapie zu beschleunigen“, erläutert Dr. med. Christian Schmidt-Kraepelin.

„Nach intensiver Begutachtung durch vier Gutachter von August 2021 bis Januar 2022 ist die Studie jetzt im international renommierten Wissenschaftsmagazin „The Lancet Psychiatry“ veröffentlicht worden“, freut sich das Forschungsteam. Inzwischen hat es das Patent für das Kombinationspräparat beim Deutschen Patent- und Markenamt angemeldet. 

Mehr Informationen:

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Florence-Nightingale-Krankenhaus