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28.01.2021

Sozialkunstprojekt „Ich, Du und Corona“ bietet Raum für künstlerischen und emotionalen Ausdruck, Solidarität und Mitgefühl

Düsseldorf, 28. Januar 2021. Die letzten Monate haben uns alle viel Energie und Selbstbeherrschung gekostet. Die aktuelle Corona-Krise wird nicht nur durch die Eigenschaften des SARS-CoV-2-Virus bestimmt, sondern vor allem auch dadurch, wie sich Menschen in dieser Krisenzeit fühlen und wie sie diese Zeit erleben. In der Psychiatrie, die sich als Beziehungsmedizin versteht, geht es während der Corona-Krise in erster Linie um den Menschen und in zweiter Linie um das Virus und die Herausforderungen, die es für den Klinikalltag mit sich bringt. Die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft und ihr Erleben wieder aufzubauen, ist ein zentrales Element der Therapien, die die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie anbietet.

„Statt von sozialer Distanzierung zu sprechen, sollten wir lieber von physischer Distanzierung sprechen. Das Wegbrechen sozialer Kontakte und die daraus resultierende Einsamkeit gehen mit einem erhöhten Stressempfinden einher. Wo wir sonst unser soziales Netz nutzen, um Stress zu regulieren und abzubauen, ist nun eine Lücke. Das macht uns anfälliger für negative Emotionen und schwächt auch unser psychisches Wohlbefinden. Mit dem Projekt ‚Ich, Du und Corona‘ versuchen wir, unsere Patientinnen und Patienten sowie unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei zu unterstützen, ihre Gefühlswelt während der Krisenzeit besser zu verarbeiten“, erläutert Prof. Dr. med. Joachim Cordes, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Florence-Nightingale-Krankenhaus.

Die Umsetzungsidee für das Sozialkunstprojekt in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie stammt von der Kunsttherapeutin Maria Armborst, die durch das Projekt „40 days in challenging times“ des Vereins stART international e.V. zu Beginn der Corona-Krise inspiriert wurde. Maria Armborst passte das Konzept des Projekts mit ihren Kolleginnen der Kunsttherapie für die Kaiserswerther Klinik an. So entstand auch der Name des Projekts „Ich, du und Corona“. „Die Projektteilnehmenden können während der Projektlaufzeit, wie in einem Tagebuch, ihre Themen, Gefühle und Eindrücke in Bildern, Gedichten, Fotografien und kleinen Geschichten ausdrücken. Was sich in künstlerischen Gestaltungen ausdrücken lässt, ist oft mit Worten nicht zu beschreiben“, erklärt Maria Armborst.

„Über die Werke können Gemeinsamkeiten entstehen, positive und negative Eindrücke können miteinander geteilt und damit das eigene Befinden verarbeitet werden“, berichtet Maria Armborst, „es können gestalterische Werke entstehen, die möglicherweise ein Gegengewicht bilden zu der Ohnmacht, die die ungewöhnlich belastende Situation mit sich bringt. Wer sieht, dass er oder sie mit den eigenen Gefühlen nicht alleine ist, fühlt sich verstanden und Gefühle der Einsamkeit rücken in die Ferne. Das Projekt bringt zum Ausdruck, was uns aktuell alle verbindet. Durch das künstlerische Tun entsteht eine Verbindung.“

Ihre Kollegin Jutta Weidler hat engmaschig Patientinnen und Patienten über mittlerweile mehr als sechs Monate begleitet und sich stark für die Sichtbarkeit und Ausstellung der eingereichten Gestaltungen im Haus Johannisberg in der Klinik eingesetzt. „Es entstehen in der anhaltenden Auseinandersetzung im Leben mit der Pandemie interessante Prozesse künstlerischer Auseinandersetzung, die den Wunsch nach Kommunikation und Austausch unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern größer werden lässt. Dies erscheint zurzeit durch Abbildungen entstandener Arbeiten auf der Website des Florence-Nightingale-Krankenhauses möglich, um gegenseitige Inspiration zu fördern.“, ergänzt ihre Kollegin, Jutta Weidler.

„Die Welt nach der Krise wird eine andere sein als zuvor. Wie die zukünftige Welt aussieht, hängt nicht vom Virus ab, sondern von uns. Wenn wir zur Normalität zurückkehren, muss nicht alles zum Alten zurückkehren“, zitiert Prof. Cordes aus einer Fachzeitschrift (Spitzer, M. Psychologie und Pandemie – Die Auswirkungen des Corona-Virus auf den Einzelnen und auf die Gesellschaft. Nervenheilkunde 2020; 39: 274 – 283). „Wünschenswert wäre eine Welt und Gesellschaft mit mehr Solidarität, Wertschätzung und Empathie. Eine Entschleunigung im oft so stressigen Alltag und Selbst-Optimierungswahn tut uns allen gut und schafft Raum für Kreativität. Mit dem durch unsere Kreativtherapie initiierten Sozialkunstprojekt ‚Ich, Du und Corona‘ wollen wir bereits jetzt einen Schritt in die richtige Richtung gehen, unsere neue Welt aktiv verändern und mitgestalten, indem wir den Raum bieten für künstlerischen und emotionalen Ausdruck, Solidarität und Mitgefühl.“

Eine Auswahl der Werke ist in der Bildergalerie auf der Website der Klinik zu sehen.

Die Laufzeit des Künstlersozialprojekts „Ich, Du und Corona“ ist bis Ende Mai 2021 verlängert.