Internationaler Frauentag 2026: Viele Frauen. Viele Realitäten.
Zum Weltfrauentag zeigen wir in unserer Reihe „Viele Frauen. Viele Realitäten.“ die vielfältigen Wege von Frauen in der KWD – mit ihren persönlichen Geschichten, Herausforderungen und Erfolgen.
Leidenschaft und Mut: Asma Mahjoub Ep Slama startet einen Neuanfang in Deutschland als Kinderkrankenschwester
Asma ist Kinderkrankenschwester und bringt 18 Jahre Erfahrung mit: 15 Jahre in Tunesien und 3 Jahre in Saudi-Arabien. Vor einem Jahr ist sie nach Deutschland gekommen – ohne ihre Familie, die noch in Tunesien lebt. Sie arbeitet in der Klinik für Kinderheilkunde im Florence-Nightingale-Krankenhaus. Ihr Ziel ist es, hier Fuß zu fassen, ihre Leidenschaft für die Arbeit weiterzuleben und gleichzeitig die Grundlage für ein Leben mit ihrer Familie zu schaffen.
Asma, was macht dir an deinem Job am meisten Freude?
Am meisten liebe ich den direkten Kontakt mit den Kindern und ihren Eltern. Wenn ein Kind krank ins Krankenhaus kommt und nach einer Zeit wieder nach Hause darf, dann fühle ich mich glücklich zu wissen, dass ich diesen Weg begleiten konnte. Die Dankbarkeit der Eltern macht diese Momente für mich besonders wertvoll.
Dein Weg hierher war ein großer Schritt. Wie war der Neuanfang in Deutschland?
Es war eine große Herausforderung: neue Sprache, neue Kultur, neue Umgebung. Gerade mache ich die Anerkennung und es ist eine ganz neue Herausforderung, wieder in die Schule zu gehen, nachdem meine eigene Schulzeit schon lange zurückliegt.
Und es ist natürlich schwer, dass meine Familie noch in Tunesien ist. Ich wollte meinen Mann und meine Kinder nicht aus ihrem gewohnten Umfeld reißen, ohne vorher sicherzugehen, dass es ein guter Ort für mich und meine Familie ist. Ich hoffe sehr, dass sie bald zu mir kommen können.
Trotzdem habe ich nie gezweifelt, dass ich diesen Weg gehen will. Mein Job ist meine Leidenschaft. Schon als Kind wollte ich im medizinischen Bereich arbeiten.
Wie gelingt dir der Alltag zwischen Beruf und Familie, auch wenn ihr räumlich getrennt seid?
Nach der Arbeit halte ich jeden Tag Kontakt zu meiner Familie über Video oder WhatsApp. Das plane ich auch immer schon fest in meine Woche ein.
In Tunesien hat sich mein Mann um viele Themen gekümmert. Hier in Deutschland habe ich gelernt, vieles selbst zu organisieren zum Beispiel Wohnung, Strom oder Internet. Das ist nicht immer leicht, aber ich sehe es als Teil meines Neustarts.
Wie wichtig ist dir das Team in deinem Arbeitsalltag?
Ein gutes Team ist für mich entscheidend: freundlich, respektvoll, hilfsbereit und offen für Austausch. Als neue Kollegin lerne ich jeden Tag dazu, und Feedback hilft mir sehr, mich zu verbessern. Ich möchte mich als aktives und wertvolles Mitglied der Abteilung einbringen und zeigen, dass internationale Kolleg:innen bereichern und neue Perspektiven einbringen.
Was bedeutet Gleichbehandlung für dich?
Fair behandelt zu werden heißt für mich, respektvoll miteinander umzugehen und dass Arbeitsplanung und private Bedürfnisse berücksichtigt werden. Ich möchte das Gefühl haben, genauso behandelt zu werden wie meine Kolleg:innen.
Was treibt dich an, trotz aller Herausforderungen?
Ich liebe meinen Beruf. Die Kinderklinik ist meine Welt. Selbst bei Stress, Konflikten oder viel Arbeit gehe ich zufrieden nach Hause, weil ich sehe, was unsere Arbeit bewirkt.
Mit meinem Beruf lebe ich meinem Traum und sage mir in schwierigen Situationen immer: „Ich kann das.“
Was würdest du anderen Frauen mitgeben?
Wenn ihr einen Traum habt, gebt nicht auf, auch wenn es schwierig ist. Vernetzt euch mit anderen Frauen, tauscht Erfahrungen aus, lernt voneinander. Jede Erfahrung kann helfen, selbst zu wachsen. Wir können alles schaffen, wenn wir wollen.
Was wünschst du dir für die Zukunft?
Privat wünsche ich mir, dass meine Familie so schnell wie möglich zu mir kommen kann. Ich vermisse sie sehr. Beruflich möchte ich weiterhin in meiner Abteilung arbeiten, meine Fähigkeiten zeigen und ein geschätztes Mitglied des Teams sein.
Duales Studium mit 18 und direkt fester Teil unserer IT
Renosha Mahalingam arbeitet in der IT-Abteilung. Sie ist eine der jüngsten Kolleginnen im Bereich, hat ein duales Studium absolviert und sich als Berufseinsteigerin in einem eher männerdominierten Umfeld selbstbewusst etabliert.
Was ist dein Aufgabengebiet in der IT-Abteilung?
Mein Bereich ist Medizinische Informatik. Gemeinsam mit fünf Kolleg:innen betreue ich die IT-Themen im Florence-Nightingale-Krankenhaus. Wir kümmern uns unter anderem um das Krankenhausinformationssystem iMedOne. Ich unterstütze Anwender:innen, gebe Schulungen, begleite Projekte und kümmere mich darum, dass unsere digitalen Prozesse gut funktionieren.
2021 habe ich mit 18 Jahren mein duales Studium der Medizininformatik an der Hochschule Niederrhein begonnen und parallel auch meine Ausbildung als Fachinformatikerin für Systemintegration gemacht. Die Mischung aus Theorie und Praxis war für mich perfekt.
Dein Einstieg war mitten in der Corona-Pandemie und es war dein erster Job. Wie hast du diese Zeit erlebt?
Es war schon eine besondere Situation. Der persönliche Austausch mit Kolleg:innen hat am Anfang gefehlt. Ich musste erst einmal im Arbeitsalltag ankommen.
Bereits nach zwei Monaten habe ich meine erste iMedOne-Schulung für Pflegefachkräfte und Ärzt:innen gehalten. Das war damals eine große Herausforderung für mich, da ich sehr schüchtern war. Mit der Unterstützung meines Teams bin ich daran gewachsen und habe Schritt für Schritt mehr Selbstvertrauen entwickelt.
Du arbeitest in einem Bereich, der oft noch männerdominiert ist. Wie nimmst du deinen Weg dort wahr?
Ich hatte von Anfang an das Gefühl, ernst genommen zu werden. Für mich bedeutet Gleichbehandlung, dass alle die gleichen Chancen bekommen – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Position.
Ich durfte schon früh Verantwortung übernehmen und Projekte begleiten. Dass mir das zugetraut wurde, hat mir unglaublich viel Sicherheit gegeben. Durch die Unterstützung und Wertschätzung meines Teams bin ich selbstbewusster geworden und habe gelernt, mir selbst mehr zu vertrauen.
Was hat dich auf deinem Weg besonders geprägt?
Ganz klar mein Team. Ich habe viel gelernt, wurde ermutigt und unterstützt. Wir gehen offen und respektvoll miteinander um. Diese Atmosphäre hat mir geholfen, mich fachlich und auch persönlich weiterzuentwickeln.
Was macht dich besonders stolz?
Dass ich mein duales Studium und meine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen habe – und dass ich heute Verantwortung trage. Wenn ich sehe, wie sehr ich mich in den letzten Jahren entwickelt habe, macht mich das stolz.
Was wünschst du dir für die Zukunft?
Unsere IT-Abteilung ist ein tolles Team, in dem ich mich sehr wohlfühle. Und genau deshalb würde ich mir wünschen, dass noch mehr Frauen diesen Bereich für sich entdecken.
Claudia Kittner über Verantwortung, Vertrauen und Vereinbarkeit
Claudia Kittner teilt sich mit Monika Schult die Bereichsleitung Beruf und Bildung und ist Schulleiterin der Schule für operative Fachberufe.
Claudia, du trägst gleich doppelte Verantwortung: Bereichsleitung und Schulleitung. Was genau umfasst deine Rolle und wie kam es dazu?
Ich habe tatsächlich zwei Jobs: Ich bin Schulleiterin der Schule für operative Fachberufe und Bereichsleiterin von Beruf und Bildung gemeinsam mit Monika Schult.
Angefangen hat alles vor fast 16 Jahren, ganz klassisch mit einer Stellenanzeige in der Zeitung. Ich bin Betriebswirtin, habe Kinder und wollte deshalb damals in Teilzeit arbeiten, in einer Position, die meiner Qualifikation entspricht. Die Anzeige hat mich sofort angesprochen. Ich habe mich beworben, bekam schnell die Zusage und habe es nie bereut.
Ich habe verschiedene Aufgaben übernommen, war Projektmanagerin, später Bildungsgangleitung. Irgendwann wurde ich gefragt, ob ich mir die Schulleitung vorstellen könnte. Das war eine große Ehre und gleichzeitig meine größte Herausforderung: Als BWLerin ein Team aus hochqualifizierten Fachkräften aus dem OP-Bereich zu führen.
Bevor ich zugesagt habe, habe ich eine Woche im OP hospitiert, um die Arbeit wirklich zu verstehen. Heute bieten wir die staatlich anerkannten Ausbildungen zur ATA und OTA an sowie den Ausbildungsgang zur CTA. Die Schule ist stark gewachsen, und das macht mich sehr stolz.
Die Kombination aus beiden Leitungsfunktionen ist ein Spagat – aber ein sehr erfüllender. Ich habe großartige Unterstützung im Team und hatte immer Vorgesetzte, die mein Engagement gesehen und gefördert haben. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat hier schon vor 20 Jahren gut funktioniert, das ist nicht selbstverständlich.
Was magst du besonders an deiner Arbeit?
Die Vielfalt. Zwei Rollen bedeuten ganz unterschiedliche Herausforderungen. Ich arbeite mich gerne in neue Themen ein und schätze es sehr, eigenverantwortlich arbeiten zu können. Vertrauen ist für mich ein großer Wert und genau das gebe ich auch weiter. Wenn Mitarbeitende gut arbeiten, brauchen sie keine ständige Kontrolle. Sie sollen ihre Stärken einsetzen und individuell wachsen können. Führung bedeutet für mich, den Menschen zu sehen, zuzuhören und Verständnis für individuelle Situationen zu haben.
Mit Monika lebe ich geteilte Führung. Wir tauschen uns jede Woche intensiv aus, unterstützen uns gegenseitig und ergänzen uns sehr gut.
Gibt es Momente, die dich besonders stolz machen?
Ein ganz besonderer Moment ist der Abschlussgottesdienst unserer Auszubildenden. Wenn wir sehen, wie sie nach drei intensiven Jahren ihren Abschluss in der Hand halten, auch diejenigen, die es nicht immer leicht hatten, dann bekomme ich Gänsehaut.
Welche Herausforderungen haben dich geprägt?
Offen zu bleiben für neue Aufgaben, auch wenn sie außerhalb des eigenen Fachgebiets liegen. Ich glaube, man darf nicht zu starr in seinen Vorstellungen sein. Oft landet man nicht genau in dem Job, den man ursprünglich gelernt hat. Wichtig ist, flexibel zu bleiben und über den Tellerrand zu schauen.
Wie gelingt dir die Balance zwischen Beruf und Privatleben?
Mit guter Planung. Ich bin eine „Terminiererin“. Neben der Arbeit sind mir Familie, Freundschaften und Sport sehr wichtig. Ich spiele Tennis, mache Yoga und war schon auf mehreren Yogareisen. Bewegung hilft mir, abzuschalten.
Seit 28 Jahren haben wir ein Kulturabo und gehen regelmäßig ins Theater oder in die Oper. Und manchmal nehme ich mir auch ganz bewusst Zeit nur für mich, oder reise allein. Diese Balance ist mir wichtig.
Was bedeutet Wertschätzung für dich?
Vertrauen. Wenn ich eigenständig arbeiten darf und meine Art zu arbeiten akzeptiert wird, fühle ich mich wertgeschätzt.
Was möchtest du anderen mitgeben?
Habt den Mut, eure Komfortzone zu verlassen. Wachstum passiert oft außerhalb des Gewohnten.
Und bleibt offen für neue Wege. Man muss nicht immer geradlinig planen, manchmal ergeben sich Chancen, wenn man sie zulässt.
Was wünschst du dir für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass Erfahrung und frische Perspektiven noch stärker zusammenwirken. Dass ältere Kolleg:innen ihr Wissen weitergeben können und gleichzeitig die neue Generation mit all ihren Ideen und ihrer Vielfalt wertgeschätzt wird.
Für mich persönlich kann ich mir vorstellen, noch lange zu arbeiten, sozusagen eine „Bogenkarriere“: nicht von 100 auf 0.
Soziale Arbeit und Kunststudium – Alina Fenn verbindet Beruf und Leidenschaft
Alina Fenn arbeitet im Sozialen Dienst der Altenhilfe im Haus Salem Ratingen. Neben ihrer Arbeit studiert sie Kunst und verbindet damit Beruf und Kreativität auf ganz besondere Weise.
Alina, was genau machst du im Sozialen Dienst?
Ich bin seit fast 12 Jahren im Haus Salem Ratingen und seit etwa acht Jahren im Sozialen Dienst. Unser Berufsfeld ist sehr vielfältig: Zu unserem Berufsfeld gehört die Durchführung von Gruppenangeboten und Einzelbetreuungen. Gleichzeitig verstehen wir unsere Arbeit als Begleitung des Lebens im Alter: Wir unterstützen dabei, vorhandene Fähigkeiten zu stärken und möglichst vieles weiterhin zu ermöglichen, was Lebensfreude und Teilhabe ausmacht.
Zum Haus gekommen bin ich eigentlich über meine Oma. Sie hat hier ehrenamtlich gearbeitet und mich als Kind manchmal mitgenommen, zum Beispiel zum Malen in der Werkstatt. Dadurch kannte ich das Haus früh und hatte nie Berührungsängste.
Später habe ich hier meinen Bundesfreiwilligendienst gemacht, danach Sozialpädagogik studiert und bin durch Glück wieder hier gelandet.
Was magst du besonders an deiner Arbeit?
Den Kontakt zu Menschen, egal ob zu Bewohner:innen, Kolleg:innen oder Angehörigen. Man bekommt unglaublich viel Rückmeldung. Für Dinge, die mir selbst Freude machen, bekomme ich viel Dankbarkeit zurück.
Ich fühle mich zudem sehr verbunden mit dem ganzen Haus. Viele Menschen kennen mich hier und sprechen mich an. Dieses Vertrauen zu spüren und Teil des Ganzen zu sein, macht mich stolz.
Gab es auf deinem Weg Herausforderungen, die dich geprägt haben?
Meine damals eher zurückhaltende Art. Gerade am Anfang hätte ich mir nicht vorstellen können, vor Gruppen zu sprechen oder Angebote zu leiten. Durch die Wertschätzung und Unterstützung im Team hat sich das über die Zeit entwickelt und ich habe mehr Selbstvertrauen bekommen.
Wer hat dich auf deinem Weg besonders unterstützt?
Definitiv meine Familie. Beruflich haben mich vor allem Frau Malik und Herr Rotthäuser geprägt. Frau Malik hat mich schon im Bundesfreiwilligendienst sehr bestärkt und mir viel beigebracht. Beide sind für mich berufliche Vorbilder.
Neben deiner Arbeit studierst du zudem Kunst?
Ja, neben meinem Hauptberuf ist Kunst meine Leidenschaft. Ich gebe bereits Malkurse und Workshops. Für mich bedeutet das Studium, meine Kunst weiter zu professionalisieren.
Ich arbeite zu 74 Prozent und studiere nebenberuflichKunst. Mein Leben besteht im Moment aus Freund:innen und Familie, dem Haus Salem Ratingen und meinem Studium. Es ist also ziemlich voll, aber ich bin gut im Termine Setzen und finde es toll, dass mir das Studium neben der Arbeit möglich gemacht wird.
Was bedeutet für dich Fairness am Arbeitsplatz?
Für mich hängt das stark mit Ehrlichkeit und offener Kommunikation zusammen. Ich finde gut, dass wir einen Tarifvertrag haben und ein familienfreundliches Unternehmen sind. Ich habe das Gefühl, dass viel Rücksicht genommen wird und dass vieles fair geregelt ist.
Wann fühlst du dich bei der Arbeit besonders wertgeschätzt?
Durch Feedback - positives wie auch konstruktives. Dass Frau Malik uns viele Freiheiten lässt, zeigt mir, dass sie Vertrauen in uns und unsere Arbeit hat.
Was möchtest du anderen Frauen mit auf den Weg geben?
Glaubt an euch und an eure eigenen Stärken. Es ist wichtig, Vertrauen in sich selbst und Mut im Leben zu haben.
Kreativität als Weg zur Selbstwirksamkeit: Renata Akrapović über Kunsttherapie und die Arbeit mit Menschen
Renata Akrapović arbeitet als klinische Kunsttherapeutin in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik und begleitet dort Patient:innen auf zwei unterschiedlichen Stationen.
Wie bist du zur Kunsttherapie gekommen?
Ich habe von der freien Kunst zur Kunsttherapie gewechselt. Am Anfang meiner Karriere hätte ich mir nicht vorstellen können, einmal so intensiv mit und am Menschen zu arbeiten.
Mit der Zeit hat sich das verändert. Ich habe zum Beispiel ein Atelier in einer Kita geleitet und mit kleinen Kindern gearbeitet. Außerdem habe ich nebenberuflich eine Ausbildung zur Yogalehrerin gemacht und unterrichtet. Dabei ist mir klar geworden, wie viel mir die Arbeit mit Menschen gibt.
In der Kaiserswerther Diakonie habe ich damals mit einem Praktikum gestartet und mich danach auf eine offene Stelle beworben. Da ich das Team schon kannte, hatte ich direkt ein gutes Gefühl.
Was genau machst du in deiner Arbeit als Kunsttherapeutin?
In der Kunst- und Kreativtherapie geht es oft darum, dass Patient:innen wieder in Kontakt mit sich selbst kommen und einen Ausdruck für Dinge finden, für die ihnen manchmal die Worte fehlen. Es geht darum, neue Handlungsmöglichkeiten zu entdecken, Erfahrungen zu machen und Selbstwirksamkeit zu erleben. Und manchmal auch einfach darum, Hoffnung zu finden.
Wir unterscheiden zwischen Kreativtherapie und Kunsttherapie. In der Kreativtherapie können Patient:innen sehr frei an Projekten arbeiten. In der Kunsttherapie gibt es einen Impuls oder eine Aufgabe, an der alle Teilnehmenden arbeiten, über die anschließend ausführlich gesprochen wird.
Es ist faszinierend, welche Kraft trotz einer Erkrankung sichtbar wird und wieviel Kreativität in jedem einzelnen steckt. Gerade auch in Personen, die am Anfang sagen, dass sie überhaupt nicht kreativ sind.
Gibt es Momente in deiner Arbeit, die dir besonders im Gedächtnis bleiben?
Es gibt manchmal Momente, in denen bei Patient:innen plötzlich etwas „Klick“ macht und ein Prozess ins Rollen kommt. Wenn man merkt, dass ein Wendepunkt entsteht und man vielleicht einen Teil dazu beitragen konnte, ist das ein sehr schöner Moment.
Was macht für dich eine gute Zusammenarbeit im Team aus?
Austausch, Kommunikation und Vertrauen. Für mich fühlt sich ein gutes Team ein bisschen wie ein Netz an, das man gemeinsam bildet. Jede einzelne Person trägt dazu bei, auch schwierige Situationen zu tragen.
Gerade in multiprofessionellen Teams ergänzt man sich gegenseitig. Unterschiedliche Perspektiven kommen zusammen und jeder wird gehört.
Was bedeutet für dich Fairness am Arbeitsplatz?
Für mich bedeutet das, gesehen zu werden und dass Entscheidungen transparent sind. Gerade von Führungskräften wünsche ich mir Transparenz.
Gleichberechtigung entsteht nicht automatisch. Man muss selbst aufmerksam bleiben und auch Dinge ansprechen, wenn sich etwas nicht richtig anfühlt. Wichtig ist dabei, dass Kritik nicht persönlich genommen wird, sondern als Chance gesehen wird, etwas zu verbessern.
Gibt es etwas, das du anderen Frauen oder Berufseinsteigerinnen mitgeben möchtest?
Vor allem, Erfahrungen zu sammeln, verschiedene Bereiche kennenzulernen und einfach auszuprobieren, was einem wirklich liegt.
In der Kunsttherapie gibt es zum Beispiel auch viele unterschiedliche Möglichkeiten zu arbeiten. Es hilft sehr, in verschiedene Bereiche hineinzuschnuppern und herauszufinden, was einem wirklich liegt.
Mut zum Neuanfang – Izabela Djemailji über ihren Weg nach Deutschland
Izabela Djemailji arbeitet im Altenzentrum Haus Salem Ratingen-Lintorf.
Izabela, du bist für deinen Traum allein nach Deutschland gekommen. Wie hat dieser Weg begonnen?
Ich komme ursprünglich aus Nordmazedonien und habe dort eine Ausbildung als Krankenschwester gemacht. Es war schon lange mein Traum, nach Deutschland zu ziehen und mir hier eine Zukunft aufzubauen.
Der Weg hat einige Jahre gedauert, weil ich zuerst einen Job und ein Arbeitsvisum bekommen musste. Aber ich bin drangeblieben und habe es geschafft. Zuerst bin ich auf die Insel Langeoog gezogen und habe dort sieben Jahre als Pflegehelferin gearbeitet.
Sechs Monate nachdem ich nach Deutschland gezogen bin, kam mein Mann nach. Ich habe ihn dabei unterstützt, ebenfalls eine Arbeit und ein Arbeitsvisum zu bekommen. Später haben wir geheiratet und heute haben wir eine Tochter, sie ist drei Jahre alt.
Heute arbeitest du im Haus Salem Ratingen Lintorf?
Meine Eltern sind in der Zwischenzeit nach Deutschland gezogen und wohnen hier in der Nähe. Mit einer kleinen Tochter fand ich es schön, wieder näher bei meiner Familie zu wohnen.
Hier im Haus Salem Lintorf wurde mir auch die Möglichkeit gegeben, meine Anerkennung zu machen. Diese habe ich bestanden und bin seit Januar Pflegefachfrau.
Was bedeutet dir die Arbeit mit den Bewohner:innen?
Ich wollte schon immer in der Pflege - also mit Menschen arbeiten. Besonders im Altenzentrum gefällt mir, dass man die Bewohner:innen gut kennenlernt und Beziehungen aufbaut. Es fühlt sich manchmal fast ein bisschen wie Familie an.
Was war auf deinem Weg die größte Herausforderung?
Die Sprache. In Nordmazedonien hatte ich zwar schon Deutsch-B1 bestanden, aber es ist etwas ganz anderes, eine Sprache zu lernen oder sie wirklich zu sprechen.
Am Anfang war das schwer. Aber meine Freund:innen, Kolleg:innen und auch die Bewohner:innen haben mir sehr geholfen. Viele Bewohner:innen haben mich freundlich verbessert, wenn ich etwas falsch gesagt habe, nachdem sie mich vorher gefragt hatten, ob das für mich in Ordnung ist.
Ich habe damals auch in einer WG mit deutschen Mitbewohnerinnen gewohnt. Dadurch musste ich viel Deutsch sprechen. Wir haben viel zusammen unternommen und so bin ich schnell in Deutschland angekommen.
Wie gelingt dir heute die Vereinbarkeit von Familie und Beruf?
Ich bin gut organisiert. Ich habe immer alle Pläne im Kopf und überlege direkt, wie ich alles miteinander verbinden kann.
Ich arbeite meistens im Frühdienst und mein Mann in der Spätschicht. Nach meinem Frühdienst hole ich unsere Tochter aus dem Kindergarten ab. Das funktioniert gut.
Meine Mutter ist auch eine große Unterstützung. Wenn ich zum Beispiel Spätdienst habe und mein Mann nicht freinehmen kann, passt sie auf unsere Tochter auf.
Was bedeutet für dich ein gutes und faires Miteinander im Team?
Für mich ist wichtig, dass man respektvoll miteinander umgeht und Vertrauen hat. Fair behandelt zu werden bedeutet für mich, genauso behandelt zu werden wie alle anderen, unabhängig davon, dass ich nicht in Deutschland geboren bin.
Natürlich gab es am Anfang auch Bewohner:innen, die etwas skeptischer waren. Aber wenn sie sehen, dass man gute Arbeit macht, ändert sich das meistens schnell.
Wann fühlst du dich bei der Arbeit besonders wertgeschätzt?
Wenn meine Arbeit gesehen wird. Ich habe einen Kollegen im Team, der mich sehr unterstützt. Ich bin ja erst seit Januar Pflegefachfrau und möchte alles richtig machen. Manchmal habe ich noch Selbstzweifel. Er gibt mir oft Feedback und sagt mir, dass ich meine Arbeit gut mache.
Was möchtest du anderen mit auf den Weg geben?
An sich selbst glauben und geduldig sein. Wenn man etwas wirklich erreichen möchte, kann man das schaffen.
Als ich nach Deutschland wollte, hat in meiner Familie kaum jemand daran geglaubt. Ich war eine der ersten, die diesen Schritt gegangen ist.
Aber ich habe immer an mich geglaubt und meinen Weg verfolgt. Und am Ende habe ich es geschafft.