Jede Schwangerschaft und Geburt ist einzigartig Frauen und Familien mit Wissen, Herz und Bewusstsein zur Seite stehen
Heute ist Welthebammentag. In der Kaiserswerther Diakonie bilden wir Hebammen aus. Parmis ist eine unserer Studierenden, die an der Fliedner Fachhochschule Hebammenkunde studieren und im Florence-Nightingale-Krankenhaus den praktischen Teil der Ausbildung absolvieren. Kürzlich wurde sie von einem TV-Filmteam für eine Reportage begleitet. Weshalb sie Hebamme werden will und was sie an dem Beruf fasziniert, erzählt sie im Interview.
? Weshalb möchtest du Hebammen werden?
Ich bin ein sehr religiöser und spiritueller Mensch und wünsche mir einen Beruf, der für mich wirklich Sinn hat und mich innerlich erfüllt. Die Zeit rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett ist für mich ein heiliger und zugleich ganz natürlicher Prozess, der eine achtsame und professionelle Begleitung braucht. Als Hebamme kann ich Frauen und Familien in dieser sensiblen Phase mit Wissen, Herz und Bewusstsein zur Seite stehen und ihnen etwas von dem zurückgeben, was mir im Leben geschenkt wurde. Es fasziniert mich, wie einzigartig jede Schwangerschaft und jede Geburt ist, und ich empfinde es als großes Privileg, diese besonderen, intimen Momente miterleben und mitgestalten zu dürfen.
? Welche Erwartungen hast du an deinen Beruf?
Als Hebamme möchte ich Frauen in ihrer Individualität sehen und ihre Stärke hervorheben. Ich wünsche mir, dass sie spüren, dass sie die Expertinnen für ihren eigenen Körper und ihr Kind sind und dass sie intuitiv oft schon genau wissen, was zu tun ist. Meine Aufgabe sehe ich darin, dieses Vertrauen in sich selbst zu stärken, sie zu empowern und ihnen – manchmal mit einem kleinen Stupser – den Mut zu geben, ihren eigenen Weg zu gehen. Gleichzeitig möchte ich mich fachlich immer weiterbilden, um Frauen und Familien evidenzbasiert, sicher und zugleich mit viel Herz und Empathie durch Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett zu begleiten.
? Wie passen deine Erwartungen, die du vor dem Studium hattest, mit der Realität zusammen?
Bevor ich das Studium begonnen habe, habe ich bereits auf einer Wochenbettstation gearbeitet und einen ersten Einblick in die Praxis bekommen. Ich hatte die Vorstellung, Frauen möglichst natürlich, respektvoll und selbstbestimmt begleiten zu können – und genau das erlebe ich jetzt, nur viel komplexer und facettenreicher, als ich es mir damals vorgestellt habe. Im Studium lerne ich zurzeit die physiologischen Abläufe und die wissenschaftlichen Hintergründe, im Perinatalzentrum Level 1 erlebe ich zusätzlich viele herausfordernde Situationen, in denen dieses Wissen direkt in die Realität übersetzt werden muss. Das fordert mich, aber es bestätigt mich auch darin, wie wichtig es ist, jede Frau individuell zu betrachten und ihr genau die Information und Unterstützung zu geben, die sie in diesem Moment braucht – nicht mehr und nicht weniger.
? Gibt es ein besonders schönes Ereignis aus deiner Tätigkeit, das du auch später noch gerne erinnern wirst?
Kürzlich haben wir eine Mutter mit Zwillingen begleitet. Als ich nach der Geburt zu ihr kam, stillte sie ihre beiden Kinder – ganz intuitiv, voller Ruhe und Liebe. Es war ein Moment inniger Verbundenheit, den ich einfach mitgenießen durfte, ohne eingreifen zu müssen. Solche Augenblicke bestätigen mich darin, wie kraftvoll und natürlich dieser Prozess ist und wie schön es ist, als Hebamme Teil davon sein zu dürfen.
Sobald der Ausstrahlungstermin der Reportage mit Parmis und drei anderen Hebammenstudierenden feststeht, werden wir den Termin auf dieser Website kommunizieren.
Der Welthebammentag wird jedes Jahr am 5. Mai gefeiert. Er ist internationalen Welthebammenverband (International Confederation of Midwives (ICM) ) ins Leben gerufen worden, um die Arbeit von Hebammen weltweit zu würdigen und auf ihre Bedeutung für die Gesundheit von Müttern und Kindern aufmerksam zu machen. Denn Hebammen begleiten Menschen in einem der intensivsten Momente des Lebens: wenn ein Kind geboren wird.