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14. Mai 2026

Bogenkarriere – könnten Sie sich das vorstellen?

Karin Gauger-Grygo ist seit Jahrzehnten Teil der Kaiserswerther Diakonie, hat in unterschiedlichen Bereichen gearbeitet und sich auch nach ihrem Renteneintritt bewusst dafür entschieden, weiterzuarbeiten. Ein Gespräch über Verbundenheit, Wandel und erfüllende Arbeit im Alter.

Du bist seit vielen Jahren in der Kaiserswerther Diakonie. Wie hat alles begonnen?

Ich bin 1978 zum Studium der Sozialpädagogik nach Kaiserswerth gekommen und habe schon währenddessen in der Psychiatrischen Klinik gearbeitet. 1983 startete ich dann in der Kaiserswerther Diakonie im Gründungsteam der psychiatrischen Tagesklinik. Das war eine besondere Zeit, weil wir sehr viel im multiprofessionellen Team gestalten und lernen konnten.

Nach Familienzeit und Weiterbildung in systemischer Familientherapie habe ich die Elternschule zur Familienakademie ausgebaut, Fort- und Weiterbildungsangebote entwickelt und Kongresse konzipiert und moderiert. Später bin ich in die Kinder- und Jugendhilfe gewechselt und habe dort unter anderem die Ambulante Familienhilfe aufgebaut und geleitet.

2010 nahm ich ein Sabbatjahr und reiste um die Welt. Danach arbeitete ich weiter in der Ambulanten Familienhilfe und ab 2015 zusätzlich in die Behindertenhilfe. Dort baute ich ein Projekt für intensiv betreutes Wohnen für junge Menschen mit Downsyndrom mit auf.

Heute bin ich im Ruhestand, bleibe aber weiterhin in der Behindertenhilfe aktiv.

Was hat dich über so viele Jahre hier gehalten?

Vor allem die Möglichkeit, immer wieder Neues mitzugestalten. Ich habe in ganz unterschiedlichen Bereichen gearbeitet. Dort konnte ich Dinge aufbauen, Konzepte entwickeln und meine Interessen einbringen. Dadurch ist es nie eintönig geworden.

Du hast immer wieder neue Wege eingeschlagen. War das eine bewusste Entscheidung?

Ja, schon. Rückblickend habe ich etwa alle sieben Jahre etwas verändert. Das hat mir geholfen, nicht festzufahren. Es gab immer neue Perspektiven, Herausforderungen und Wissenserweiterung.

Heute arbeitest du trotz Renteneintritt weiter. Warum?

Weil ich mich den Menschen hier sehr verbunden fühle und weil mir die Arbeit einfach viel gibt.

Ich kann heute das einbringen, was mir persönlich Freude macht. Ich gehe gerne zu Kunstaustellungen und Konzerten und möchte dieses Fenster zur Welt auch den von uns betreuten Menschen öffnen, um soziale und kulturelle Teilhabe zu ermöglichen.

Ich begleite junge Kolleg:innen während oder nach deren Studium in der Anfangsphase der Berufspraxis.

Was hat sich durch den Ruhestand an deiner Arbeit verändert?

Ich habe heute mehr Freiheit. Ich organisiere Aktivitäten, male mit den Menschen, begleite sie zu Veranstaltungen im Stadtteil oder auch im Stadtgebiet sowie in die Natur. Daraus sind flexible Gruppen und Traditionen entstanden.

Selbstverständlich, jedoch in Maßen, übernehme ich gelegentlich auch Urlaubs- oder Krankheitsvertretungen für Teamkolleg:innen in der Alltagsbegleitung.

Was bedeutet dir diese Form des Weiterarbeitens?

Es ist für mich eine große Bereicherung. Ich habe weiterhin feste Aufgaben, aber auch genug Zeit für mich. Dieses Gleichgewicht tut mir gut.

Wenn du auf deine Zeit in der Kaiserswerther Diakonie zurückblickst, was war dir immer wichtig?

Mitgestalten zu können, eigene Ideen einzubringen und Dinge wachsen zu sehen. Und auch die Verbundenheit zu den Menschen und zum Ort. Ich lebe seit vielen Jahren hier auf dem Gelände und es ist zur Heimat unserer Familie geworden.

Was würdest du anderen mitgeben, die Richtung Ruhestand blicken?

Dass es sich lohnt, weiter aktiv zu bleiben, in dem Rahmen, der für einen selbst passt.

Nicht von heute auf morgen aufzuhören, sondern zu schauen: Was macht mir Freude? Was macht Sinn? Wo kann ich meine berufliche Erfahrung noch einbringen?

Für mich ist das eine sehr erfüllende Art, diesen Lebensabschnitt zu gestalten.

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