Professor Dr. med. Jutta Liebau mit einer Patientin

Brustrekonstruktion

Wann kann eine Brustrekonstruktion angezeigt sein?

Mit der Diagnose Brustkrebs stehen viele Patientinnen vor einer komplett neuen Lebenssituation. Diese Nachricht verändert ihr Leben dramatisch – und verlangt ihnen in kurzer Zeit viele Entscheidungen ab. Einige Entscheidungen beziehen sich auf die Behandlungen, die sofort erfolgen müssen, um ihre Gesundheit möglichst wieder herzustellen. Andere Entscheidungen betreffen bereits Fragen zum Wohlbefinden nach Bewältigung der Erkrankung. Im Zentrum steht dabei die Rekonstruktion der Brust, die für die psychische Befindlichkeit vieler Frauen von maßgeblicher Bedeutung ist.

Bei dieser Rekonstruktion handelt es sich um einen freiwilligen Eingriff. Es ist also eine ganz bewusste Entscheidung. Umso wichtiger ist es, sich vorab gründlich zu informieren. Es stehen vielfältige operative Möglichkeiten zur Wahl.

Zunächst müssen Sie entscheiden, ob eine sofortige Brustrekonstruktion infrage kommt oder ob Sie den Abschluss der Krebsbehandlung abwarten wollen. Abhängig vom jeweiligen Befund bieten sich verschiedene Operationstechniken an – angepasst an die jeweilige Ausgangssituation. Dies alles muss im gemeinsamen Vorgespräch mit Ihnen berücksichtigt werden, um für Sie die optimale Operationsmethode zu finden.

Wie läuft die Behandlung bei einer Brustrekonstruktion ab?

Nachdem wir Sie zum ersten Mal ambulant untersucht haben und der Befund vorliegt, besprechen wir mit Ihnen das für Sie beste OP-Verfahren und die damit verbundenen Risiken. Nicht selten erfolgt die Behandlung in Kooperation mit der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe.

Am Vortag der Operation führen wir mit Ihnen ein Vorgespräch. Wir erläutern noch einmal den Ablauf der Operation und die Art der Narkose. Anschließend erfolgt eine Blutentnahme. Stationär aufgenommen werden Sie am nächsten Tag. Sie müssen ein bis zwei Wochen in der Klinik bleiben.

Abhängig von der jeweiligen Operation versorgen wir Sie mit der notwendigen Miederware. Zum Wundverschluss benutzen wir selbstauflösendes Nahtmaterial. Die eingelegten Drainagen können nach wenigen Tagen entfernt werden.

Die Ausreifung der Narben kann bis zu einem Jahr dauern. Das Ergebnis der Operation lässt sich meist nach drei bis sechs Monaten endgültig beurteilen. Danach können wir den Aufbau der Brustwarze planen. Nicht selten sind kleinere Formkorrekturen nötig, die wir dann im Zuge der Brustwarzenrekonstruktion vornehmen können (bei Bedarf kombiniert mit einer Angleichung der Gegenseite).

Was geschieht bei der Operation zur Brustrekonstruktion?

Die Operation wird in Vollnarkose durchgeführt und ist mit einem stationären Aufenthalt verbunden.

Zu klären ist, ob nur ein Implantat oder eine dem Implantat vorgeschaltete Gewebeexpander-Einlage mit verwendet werden soll. Die Antwort hängt vom Befund sowie vom Wunsch der Patientin ab. Oft wird gewünscht, körpereigenes Gewebe zu benutzen. Eine von vielen Möglichkeiten sind Eigenfetttransplantationen über gestielte Haut-Muskel-Lappenplastiken, zum Beispiel vom Rücken als sogenannter Latissimuslappen oder vom Bauch als sogenannter TRAM-Lappen.

Die heutzutage bevorzugte Methode zur Brustwiederherstellung ist aber der freie Gewebetransfer – eine sehr aufwendige Operationsmethode. Denn um die neue Brust zu formen, ist ein mikrochirurgischer Gefäßanschluss des Gewebes gefordert. Bevorzugtes Spendeareal ist das Unterbauchgewebe (sogenannter DIEAP-Lappen). Sollte der Unterbauch dafür ungeeignet sein, kann beispielsweise auch das Gewebe der Oberschenkelinnenseiten verwendet werden (sogenannter TMG-Lappen).

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