Amniozentese und Chorionzottenbiopsie

Was ist eine Amniozentese (Fruchtwasseruntersuchung)?

Bei der Fruchtwasseruntersuchung wird unter Ultraschallsicht eine sehr dünne Nadel in die Fruchthöhle eingeführt, und es wird ein wenig Fruchtwasser (etwa 15 Milliliter) abgesaugt. Dieser Vorgang dauert ein bis zwei Minuten. Anschließend werden die im Fruchtwasser enthaltenen kindlichen Zellen gezüchtet und vermehrt. Dieses dauert in der Regel etwa zwei Wochen. Sehr selten kann es passieren, dass die Zellen sehr langsam oder gar nicht wachsen, sodass später keine Aussage gemacht werden kann. Hier spricht die Medizin von den sogenannten Kulturversagern.

Aus dem Fruchtwasser können auch ein bestimmtes Protein (Alphafetoprotein) sowie ein Enzym untersucht werden, die das Vorliegen einer Spaltbildung des Rückens (Spina bifida) voraussagen.

Ebenso die Diagnose von Keimen im Fruchtwasser, kindlicher Infektionen wie Zytomegalie oder Stoffwechselstörungen sind aus dem Fruchtwasser möglich.

Wann kann die Amniozentese erfolgen?

Ab der 15. Schwangerschaftswoche kann eine Untersuchung des Fruchtwassers durchgeführt werden. Der ideale Untersuchungszeitpunkt beginnt ab der 16./17. Schwangerschaftswoche. Die Ergebnisse sind nach zehn bis 14 Tagen verfügbar. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit eines Schnelltestes zur numerischen Angabe von Chromosom 21, 13, 18 sowie der Geschlechtschromosomen. Dieses Ergebnis liegt nach 24 Stunden (am folgenden Werktag) vor.

Was ist die Chorionzottenbiopsie?

Die Chorionzottenbiopsie ist eine Punktion des Mutterkuchens. Sie kann bereits zu einem früheren Zeitpunkt erfolgen als die Fruchtwasseruntersuchung. Ab der zwölften Schwangerschaftswoche wird diese Untersuchung in manchen Fällen nach einer auffälligen Ersttrimesteruntersuchung durchgeführt. Sie ist mit einem hohen Risiko für den Fötus verbundens.

Bei der Chorionzottenbiopsie wird unter ständiger Ultraschallsicht mit einer Nadel durch die Bauchdecke punktiert, und es werden Zellen des Mutterkuchens entnommen. Diese Zellen werden anschließend untersucht. Ein bis zwei Tage später liegen vorläufige Befunde über Struktur und Anzahl von drei Chromosomen vor (13, 18, 21). Ein genaueres Ergebnis über die Struktur aller Chromosomen liegt nach etwa zwei Wochen vor.

Welche Komplikationen können bei der Amniozentese und der Chorionzottenbiopsie auftreten?

Da es sich bei bei der Amniozentese und bei der Chorionzottenbiopsie um invasive Eingriffe handelt, können hierbei auch Komplikationen entstehen. Es kann zum Verlust von Fruchtwasser durch die Scheide kommen, wobei sich die Fruchtblase meist von selbst wieder verschließt.

Dies ist der Grund, warum die Amniozentesen nicht sehr früh durchgeführt werden. Sehr selten kann sich die Fruchthöhle entzünden oder es kann eine Blutung auftreten. Insgesamt liegt die durch eine Amniozentese ausgelöste Fehlgeburtsrate bei 0,2 bis 1 Prozent.

Das Risiko bei einer Chorionzottenbiopsie ist aufgrund des früheren Ultraschallzeitpunktes geringfügig höher und liegt bei etwa einem Prozent. Fast alle Komplikationen treten innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Punktion auf. Daher sollte sich die Patientin zwei Tage nach dem Eingriff möglichst schonen. Zur Risikominimierung empfehlen wir an Vortagen des Eingriffes eine lokale Behandlung mit Scheidenzäpfchen (beispielsweise Vagi-C oder Vagiflor).