„Lungenkrebs-Früherkennung sorgt für bessere Heilungschancen“ Interview mit PD Dr. med. Aris Koryllos
Seit April 2026 gibt es für aktive und ehemalige starke Raucher:innen im Alter von 50 bis 75 Jahren die Möglichkeit, am Früherkennungsprogramm auf Lungenkrebs teilzunehmen. Die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen. Wer für die Untersuchung infrage kommt, wie diese abläuft und welcher Nutzen und welche Risiken sie birgt, erklärt PD Dr. med. Aris Koryllos im Interview. Er ist Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie und Leiter des Lungenkrebszentrums am Florence-Nightingale-Krankenhaus.
Wer kann am Lungenkrebs-Früherkennungsprogramm teilnehmen?
Der wichtigste Risikofaktor für Lungenkrebs ist das Rauchen. Daher richtet sich das Screening-Angebot an Personen zwischen 50 und 75 Jahren, die über viele Jahre stark geraucht haben. „Stark geraucht“ wird als „15 Packungsjahre“ definiert. Dafür multipliziert man die Zahl der täglich gerauchten Zigarettenpackungen mit den Raucherjahren. Anders gesagt: Wer über 15 Jahre im Schnitt 20 Zigaretten täglich geraucht oder 25 Jahre jeden Tag etwa 12 Zigaretten konsumiert hat, kann sich untersuchen lassen.
Wie wird untersucht?
Die Untersuchung erfolgt per Niedrigdosis-Computertomografie, kurz Niedrigdosis-CT. Im CT können Tumore schon in einem frühen Stadium erkannt werden, also zu einem Zeitpunkt, zu dem noch keine Symptome auftreten. Bei rascher Diagnose und Therapie am besten in einem ausgewiesenen Zentrum sind die Heilungschancen und damit die Überlebenschance gut.
Warum dürfen nur Raucher:innen an der Untersuchung teilnehmen?
Die Untersuchung kann zu Nachteilen führen. Einerseits durch die Strahlenbelastung, obwohl diese sehr niedrig dosiert ist. Andererseits können sich unklare Befunde später als gutartig herausstellen. Deshalb ist die Untersuchung nur für Personen mit einem erhöhten Lungenkrebsrisiko empfohlen.
Was braucht man für die Untersuchung?
Für die Untersuchung ist die Überweisung oder der ausgefüllte Prüfbericht des Hausarztes oder einer Fachärztin für Innere Medizin, Arbeitsmedizin oder Pneumologie nötig. Wer interessiert ist, spricht also seinen Hausarzt oder Pneumologen an. Ärztinnen und Ärzte müssen sich durch eine Schulung für das neue Programm qualifizieren. Daher kann es sein, dass der eigene Hausarzt im Moment noch keine Überweisung ausstellen kann. Wer möchte, kann auch zu uns ins Florence-Nightingale-Krankenhaus in die Spezial-Sprechstunde für Lungenkrebsscreening kommen.
Wo kann ich die Untersuchung machen lassen?
Die Lungenkrebs-Vorsorgeuntersuchung wird von Radiologinnen und Radiologen mithilfe eines Computertomografen durchgeführt. Im Lungenkrebszentrum Düsseldorf-Kaiserswerth arbeiten wir u.a. mit der Med360Grad zusammen, die am Standort im Florence-Nightingale-Krankenhaus für das Lungenkrebs-Screening einen zusätzlichen, hochmodernen Computertomografen angeschafft haben. Wenn bei der Untersuchung eine Auffälligkeit entdeckt wird, ziehen die Radiologinnen und Radiologen uns hinzu, um schnellstmöglich die weitere Diagnostik und Therapie zu beginnen.
An wen kann ich mich wenden, wenn ich einen kritischen Befund habe?
Wer einen komplexen, unklaren oder schwerwiegenden Befund bekommen hat, sollte diesen am besten in einem von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) zertifizierten Lungenkrebszentrum abklären.
Welche Vorteile bietet die Behandlung in einem zertifizierten Zentrum?
Die Diagnose und Therapie in einem DKG-zertifizierten Lungenkrebszentrum führt nachweisbar zu einem besseren Behandlungsergebnis und einer höheren Überlebenschance für die betroffenen Menschen. In spezialisierte Zentren arbeiten die Expertinnen und Experten fachübergreifend zusammen, sie besprechen Befunde und Therapien in der sog. Tumorkonferenz. Zertifizierte Zentren ermöglichen den Zugang zu modernsten Diagnose- und Therapieverfahren. Hier werden Patientinnen und Patienten lückenlos von der Diagnose bis zur Nachsorge begleitet. Bei uns bringt zudem das Pflegepersonal eine ausgewiesene Expertise in der Behandlung onkologischer Patientinnen und Patienten mit. Begleitende Maßnahmen wie Physiotherapie, Soziale Beratung sowie auf Wunsch psychoonkologische Betreuung runden die Behandlung ab. In der Region Düsseldorf sind wir das einzige von der DKG zertifizierte Lungenkrebszentrum und damit der zentrale Ansprechpartner für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, Patientinnen und Patienten sowie umliegende Kliniken.
Weitere Informationen:
Lungenkrebs-Früherkennung für Raucherinnen und Raucher - Gemeinsamer Bundesausschuss